Lobstein, Friedrich - Die christlichen Festtage in zwanzig Betrachtungen - Siebentes Fest. Die Dreieinigkeit. II. Die Bekehrung des Apostels Paulus.

Apostelgesch. 9, 1-20.

Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden wider die Jünger des Herrn, und ging zum Hohenpriester. Und bat ihn um Briefe gen Damaskus an die Schulen, auf dass, so er Etliche dieses Weges fände, Männer und Weiber, er sie gebunden führte gen Jerusalem. Und da er auf dem Wege war, und nahe bei Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel. Und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der Herr sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgest. Es wird dir schwer werden, wider den Stachel zu löcken. Und er sprach mit Zittern und Zagen: Herr, was willst du, dass ich tun soll? Der Herr sprach zu ihm: Stehe auf und gehe in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst. Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen und waren erstarret; denn sie hörten eine Stimme und sahen Niemand. Saulus aber richtete sich auf von der Erde, und als er seine Augen auftat, sah er Niemand. Sie nahmen ihn aber bei der Hand, und führten ihn gen Damaskus. Und war drei Tage nicht sehend, und aß nicht und trank nicht. Es war aber ein Jünger zu Damaskus, mit Namen Ananias; zu dem sprach der Herr im Gesichte: Anania! Und er sprach: Hier bin ich, Herr. Der Herr sprach zu ihm: Stehe auf und gehe hin in die Gasse, die da heißt die richtige, und frage in dem Hause Judas nach Saul, mit Namen von Tarsen; denn siehe, er betet. Und hat gesehen im Gesicht einen Mann, mit Namen Ananias, zu ihm hinein kommen und die Hand auf ihn legen, dass er wieder sehend werde. Ananias aber antwortete: Herr, ich habe von Vielen gehört von diesem Manne, wie viel Übels er deinen Heiligen getan hat zu Jerusalem. Und er hat allhier Macht von den Hohenpriestern, zu binden Alle, die deinen Namen anrufen. Der Herr sprach zu ihm: Gehe hin, denn dieser ist mir ein auserwähltes Rüstzeug, dass er meinen Namen trage vor den Heiden, und vor den Königen, und vor den Kindern von Israel. Ich will ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen. Und Ananias ging hin, und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt (der dir erschienen ist auf dem Wege, da du herkamst), dass du wieder sehend und mit dem heilige Geist erfüllt werdest. Und alsobald fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er ward wieder sehend. Und stand auf und ließ sich taufen, und nahm Speise zu sich und stärkte sich. Saulus aber war etliche Tage bei den Jüngern zu Damaskus. Und alsobald predigte er Christum in den Schulen, dass derselbe Gottes Sohn sei.

Willst du das Werk der Dreieinigkeit in einem Menschenleben sehen? Nimm eine Bekehrung vor, und zwar die interessanteste von allen, diejenige des Paulus. In dieser ungestümen Seele verherrlicht sich der dreimal heilige Gott. Dieser Gott, so herrlich, wenn er Sonnen in das Weltall schleudert, ist noch viel herrlicher, wenn er aus einer gesunkenen Seele eine neue Kreatur schafft. Der geistigen Neuschaffung des größten Apostels wollen wir anwohnen. Aus einem Menschen, der noch mit Drohen und Morden schnaubt, ein auserwähltes Rüstzeug zu machen, einen Pfeiler der Kirche: das ist die Aufgabe, welche sich die Dreieinigkeit vorgenommen hat. Der Vater zieht wieder zum Sohne, der Sohn bekundet sich wieder als Heiland, der heilige Geist gießt wieder das Leben des Vaters und des Sohnes in die wiedergeborne Seele. Wir wollen dieses wunderbare Werk mit den Augen verfolgen, so weit es dem Menschen möglich ist, einem Schöpfungswerk Gottes nachzugehen.

Der Vater zieht auf zweierlei Art zum Sohne. Bald sanft, indem er von Anfang ein Vorgefühl des Friedens, den man bei Jesus schmeckt, gewährt; bald findet das Gegenteil statt. Manche Seele empört sich, wenn man ihr von Jesu und seinen Jüngern spricht; diese Seele weiß nicht, dass auch oft diese Regungen des Hasses ein Führer zu Christo sind. Nicht als ob Gott den Hass errege, aber Gott bringt ans Licht, was verborgen ist, und offenbart den Rat der Herzen. Wenn eine Seele aus ihrer Gleichgültigkeit heraustritt und Partei ergreift für oder wider Christum, so hat schon die Arbeit des Vaters begonnen. Die gewöhnliche Ruhe verbirgt oft Vieles, das noch nicht gerichtet ist. Man kann lange in diesem Zustand leben und sich selbst nicht kennen. Aber es gibt Verhältnisse, wo man sich aussprechen muss, und wo sich der wahre Charakter kund tut. Das geschieht hauptsächlich, wenn die Religion im Spiel ist. Lass das Evangelium mit seinem Geistesschwert kommen, da wird plötzlich die innere Welt sich auftun, und man sieht, was man nicht länger sich verbergen kann. Kein Hass kommt alsdann dem gleich, den die angegriffene Selbstgerechtigkeit erweckt. Wir haben Alle einen Saulus in uns, welcher schnaubt mit Drohen und Morden; aber dieser Saulus schläft, bis Gott ihn erweckt. Vielleicht geschieht es, wenn wir in einem geistlichen Gespräch gedrängt wer den, wenn wir aus einer Predigt gehen, die unser Gewissen sehr erschüttert hat, oder wenn wir einer gewissen religiösen Richtung gegenüber stehen; es gibt Fälle, wo man nicht mehr neutral bleiben kann. Dann kommen die Leidenschaften, und es ist immer ein gutes Zeichen, wenn die Krankheiten ausbrechen, leiblich oder geistig. Ein Krankheitsstoff, der in dir bleibt, kann tödlich werden. Das ist auch wahr von dem Irrtum, den man in sich verschließt, oder von der Sünde, die man unterdrückt. Lass sie ausbrechen, die Wahrheit; wie hässlich sie auch sei, ist sie besser als der schöne Schein. Bei diesen Ausbrüchen sehen wir deutlich, was wir sind, und es ist immer eine Gnade von Gott, wenn er uns uns selber gegenüber stellt. Der Vater ist es, der auf diese Weise zum Sohne zieht und vor einen Heiland niederwirft. Saul von Tarsus fängt so an. In ihm ist ein Werk des Vaters. Wir sehen nur Blut und Drohen, aber unter diesen Flüchen ist eine Arbeit von Oben, die sich bald entwickeln wird. Saulus ist Pharisäer, strenger Pharisäer, aber ein treuer. Und wie man es in der Welt lieber mit einem raschen, heftigen, aber offenen, geraden Charakter zu tun hat, als mit einem verschrobenen, welcher in Schafskleidern ein reißender Wolf ist, so auch hat man den wütenden, aber offenen Eifer lieber, als die bedachtsame Abscheulichkeit und Heuchelei eines Caiphas oder der andern Lehrer des Gesetzes. Wenn der Wolf sich zeigt, kann Gott ein Lamm daraus machen; aber wer seine Übertretung verbirgt, wird plötzlich verderben ohne alle Hilfe.

Die vorbereitende Gnade hat für Saul nicht auf der Straße von Damaskus angefangen. Offenbar war in seiner Seele etwas, das suchte. Seine Schriftkenntnis und seine Aufmerksamkeit zu den Füßen Gamaliels beweisen das Interesse, das er für himmlische Dinge hatte. Aber ehe ein natürlich-religiöser Mensch gedemütigt ist, wird er nur bis an eine gewisse Grenze gehen und wird sich empören, wenn man ihn weiter stoßen will. Ein solcher Mensch liebt die geistlichen Übungen, aber er wird nicht erlauben, dass du ihm von Bekehrung redest. Er wird seine Hand gerne einem äußerlichen Christen geben und ihn in den Tempel begleiten, aber er entsetzt sich über einen Betsaal, ein Traktätchen, ein Gebet auf den Knieen; alle, die sich auf diese Seite neigen, wird er überspannte Sektierer nennen. Oft erschreckt der Name nur diese Saule; wenn sie die Sache kennten und ihr eingewurzeltes Vorurteil ihnen erlaubte, genau zu prüfen, würden sie bald das Evangelium annehmen, unter welcher Form es sich auch darstellen würde.

Die zuvorkommende Gnade des Vaters fährt fort in der heilsamen Gnade des Sohnes. Saulus wird mit Gewalt in die Arme Jesu Christi geworfen, wie ein Schiffbrüchiger durch eine tobende Welle auf den Strand, der ihn errettet, geworfen wird. Diese erste Begegnung des Saulus und Christi ist merkwürdig. Ihr seht das Ereignis, welches auf der Straße nach Damaskus und fast unter den Toren der Stadt stattfindet. Saulus stürzt zu Boden, blind und fast vernichtet. Der Starke findet plötzlich einen Stärkeren, der ihm den Weg vertritt. Die zwei begegnen sich und stoßen an einander mit Macht, und der eine von beiden wird zermalmt. Saulus findet seinen Meister. Dieser Meister hat ihn niedergeworfen und fragt nun Saul: warum verfolgst du mich? Zitternd und erschrocken, antwortet Saul: Wer bist du, Herr? Darauf nennt sich Jesus Christus. So wirft oft Gott den Sünder auf den Felsen des Heils. Er lässt unseren Willen auf einen andern Willen stoßen, der nicht nachgibt. Einer von beiden muss in Stücke gehen und dies ist nie der Wille des Herrn. Aber man kann auf zwei Weisen zermalmt werden: zum Verderben oder zum Heil. Das eine begegnete dem Pharao, das andere dem Saulus. Die Bekehrung des Saulus beginnt mit einem großen Schlag, der den Menschen trifft, der aber auch das Gewissen trifft. Die äußeren Schläge genügen nicht. Der Todesstoß des alten Menschen ist der Hauptstoß. Du siehst Menschen, die auf alle Weise geschlagen werden und deren Herz immer derselbe Fels bleibt. Saulus ist einer von denen, die verstanden haben; die rechte Bresche ist gemacht, und die Dreieinigkeit kann eingehen und da feiern.

Man denke sich Saulus in sich vernichtet, blind, schwach geworden wie ein Kind. Dieser Plänemacher, der so gut kombinierte, dem Niemand widerstehen konnte, er hat einen eisernen Arm gefunden, der ihn aufhält und umwirft. Den Arm, der die Weisheit der Weisen zunichte machen wird und den Verstand der Verständigen verwerfen. Saulus frägt: Wer bist du, Herr? Man darf sich nur unter diese allmächtige Hand demütigen, um sie zu erkennen. Man ist froh diesen Namen, den man nie verstanden, nie gewollt hat, zu ergreifen, wenn andere Hilfe weicht. Wenn dein Herz sich ergeben hat, wird dieser Jesus, der dich schlägt, auch verbinden. Er zerschmeißet und seine Hand heilet; aus sechs Trübsalen wird er dich erretten. und in der siebenten wird dich kein Übel rühren. Saul ist niedergeworfen, sein Geist erschüttert, sein Auge für die sichtbare Welt verschlossen. So fängt die Bekehrung an. Sie ist eine geistige Umwälzung. Der natürliche Geist wird vertrieben von einem neuen Geist, der künftig das Leben beherrschen wird. Man wird nicht mehr auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare sehen, denn was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Man erblickt sich in einer Verblendung, aus der man sich nicht selbst heraushelfen kann. Man glaubt sich reich, redlich, fromm und alles das verschwindet; man fühlt sich plötzlich unglücklich, elend, arm, blind und nackt. Nur zu den Füßen Jesu erkennt man, dass man blind ist. Wäret ihr blind, sagt Jesus zu den Pharisäern, so hättet ihr keine Sünde; nun ihr aber sprecht, wir sind sehend, bleibt eure Sünde. Saulus spricht nicht mehr so; Alles um ihn und in ihm ist Nacht; er demütigt sich und Gott, der dem Hochmütigen widersteht, gibt den Demütigen Gnade.

Auf wie ganz andere Weise zieht Saul in Damaskus ein, als er geglaubt und gewollt hatte! Die Wege Gottes sind nicht unsere Wege und seine Gedanken nicht unsere Gedanken. Wie ein armer Bettler an der Hand geführt, geht er in die Stadt ein, und zu denen, die er vertilgen wollte, sendet ihn Gott. So schlägt Gott unseren Hochmut. Er legt uns zu seinen Füßen; aber das genügt nicht. Er legt uns auch zu den Füßen derer, die wir vor uns in dem Staub hätten sehen wollen. Vor denen, bei deren Namen schon wir uns empörten, muss sich unser Herz erniedrigen, wenn es wahrhafte Bekehrung sein soll. Aber Alles wird uns leicht sein, wenn wir wahrhaftig zu den Füßen Jesu liegen. Dieser erbitterte Hass, dieser alte Groll, diese Abneigung und Anmaßung, alles wird fallen mit der Entkleidung des alten Menschen. Jesus lenkt die Herzen wie Wasserbäche; wenn wir unter seiner Hand sind, lassen wir uns nach seinem Rat leiten; was Gewinn war, haben wir um Christi willen für Schaden geachtet.

Hier werden in unserer Erzählung unsere Augen auf einen anderen Menschen, den Ananias, gerichtet. Saulus scheint kaum für Ananias gemacht zu sein, noch Ananias für den Saulus. Dennoch bringt der Herr diese beiden Menschen zusammen, und das Leben des einen greift ein in das Leben des andern. Saulus muss von Jerusalem nach Damaskus kommen, damit Ananias ihm die Hände auflege und ihm das Gesicht wieder gebe. So holt uns der Herr oft von fern her für einander und bereitet einen für den anderen, ohne dass wir daran denken.

Saulus und Ananias! Nord und Süd! Dennoch berühren sich diese zwei Pole; bei den Menschen ist es unmöglich, aber bei Gott sind alle Dinge möglich. Was bringt diese zwei Menschen näher? Das Kreuz Christi, welches der echte Kitt ist für alle begnadigten Seelen. Die weiland ferne gewesen, sind nun nahe geworden durch das Blut Christi. Denn Er ist unser Friede, der aus Beiden Eins hat gemacht, indem er den Zaun, der dazwischen war, abgebrochen hat. Nie wäre sonst Ananias zu Saulus eingegangen, und nie sonst hätte Saulus den Ananias bei sich aufgenommen. Man stelle sich zwei Menschen vor von verschiedenem Charakter, lange getrennt durch Feindschaft, die sich aber später in der Welt wieder finden, und zwar beide als Jünger des Herrn! Welche Tränen und Umarmungen! Welche Versöhnung unter diesem Kreuz, das in einem Leibe versöhnt, und die Feindschaft tötet.

Ananias ist ein alter Streiter Christi, da Saulus erst ein Anfänger ist. Es ist ein auffallender Unterschied zwischen den Worten des Saulus: Wer bist du, Herr? und der raschen Antwort des Ananias: Hier bin ich, Herr! Für den ersten ist Christus eine neue Bekanntschaft, für den zweiten ist er ein alter Freund. Saulus weiß nicht, welchen Namen dieser neuen Stimme geben; Ananias würde diese Stimme unter Tausenden erkennen. Denen, die auf ihren eigenen Wegen gehen, ist Christus unbekannt; aber die Schafe des Herrn kennen seine Stimme, und er kennt sie, und sie folgen ihm. Merket hier die Vertraulichkeit, in der Ananias mit seinem Heiland lebt. Wenn Jesus den Ananias zu Saulus schickt, zögert Ananias erst und macht dem Herrn Einwendungen. Ich habe von Vielen gehört von diesem Manne, wie Übels er deinen Heiligen getan hat zu Jerusalem, und er ist gekommen mit Macht von den Hohepriestern, zu binden Alle, die deinen Namen anrufen.

Solche Zweifel legt Ananias dem Herrn vor. Diese Zweifel sind nicht Widerspenstigkeit. Das freie Wort des Ananias kommt einzig von seiner Vertraulichkeit mit dem Herrn her. Es ist nichts Steifes mehr zwischen dem Ananias und dem Meister, wie es oft noch zwischen zwei christlichen Freunden vorherrscht. Ananias bringt seine Sorgen in allen Angelegenheiten vor den Herrn. Hat Abraham nicht auch Gott Vorstellungen gemacht, als er Sodom und Gomorrha verbrennen wollte? Würde ein Kind nicht alles seinem Vater sagen, an was sein Kinderherz Anstand nehmen möchte? Je mehr Vertraulichkeit, desto mehr Gehorsam. Derselbe Ananias steht im Augenblick auf, und geht nach der bezeichneten Straße, um von ganzem Herzen zu seinem früheren Feind zu sagen: Saulus, mein Bruder!

Wir kommen auf diesen Letzteren zurück. Ein neues Werk kommt in ihm zu Staude. Wir haben die Gnade des Vaters und des Sohnes gesehen, nun wollen wir auch die Gnade des heiligen Geistes betrachten.

Saulus war drei Tage nicht sehend und aß nicht und trank nicht.

So tut uns der heilige Geist bei Seite, damit er wirken könne in uns. Er trennt uns von dem Sichtbaren, ja von unseren täglichen Bedürfnissen. In der Stille der Seele geht die große Arbeit vor sich. Und die Stille zieht nur in ein zerschlagenes Herz ein. Sich den flüchtigen Geist des gewöhnlichen Menschen, man kann ihm nichts sagen; die sichtbare Welt beherrscht ihn und erfüllt seine Sinne, seine Einbildungskraft, ja seine Andacht selbst. Alles ändert sich, wenn das Gewissen getroffen ist! Ach, wie dann die Dinge der Welt ihren Wert verlieren! Welche wunderbare Sammlung, in welcher das Eine, was not tut, zur Sprache kommt. In dieser innerlichen Stille eröffnet sich auch die Quelle des Gebets. Saulus hatte oft gebetet, aber das wahre Gebet ist ein Werk des heiligen Geistes. Wenn der Herr den Ananias zu Saulus schickt, sagt er, als von etwas Neuem sprechend: Er betet. Die Altäre des heiligen Geistes sind ein geängsteter Geist, ein zerschlagenes Herz. Dann kommt die Hingebung, die Demut, das Losmachen von dem eitlen Wandel. Je mehr man in diesem Tiegel ist, desto reiner wird das Gold des Glaubens. Von diesem innerlichen Werk hängt Alles ab, und der heilige Geist lässt außer ihm Niemanden in dieses Heiligtum ein. Mische dich nicht in dieses Werk, um es zu beschleunigen; du wirst Alles verderben. Es gibt oft solche Bekehrungen, in welchen diese erste Arbeit zu schnell geendet ward, oder geistliche Führer, die zu schnell mit ihrem Troste kommen. Alles, was reift, reift langsam, ohne Worte und ohne Zeugen. Alles ist verfehlt, wenn diese Erneuerung des heiligen Geistes verfehlt ist. Man sieht Seelen, die, kaum der Gnade erschlossen, schon eilen, Andere zu bekehren; das ist das sichere Mittel zu verlieren, was man hat, und was man gewinnt, wird geistlicher Hochmut sein. Wenn aber diese erste Arbeit ihre Zeit gehabt hat, ist es gut, andere vorgerücktere Christen aufzusuchen. Der Herr schickt den Ananias zum Saulus, und Saulus seinerseits wird zu den Brüdern gehen. Eine doppelte Klippe ist zu vermeiden: nämlich sich zu früh in die Hände der Christen zu begeben, oder auch den Stolzen machen zu wollen und seinen Weg allein zu gehen.

Nach dem, was in der Seele des Saulus vorging, musste demselben der Besuch des Ananias sehr wohl tun. Ein erprobter Christ ist für einen Anfänger eine sehr köstliche Begegnung. Ananias muss über Saulus beten und ihm die Augen öffnen. Wenn ein vorgerückter Christ mit uns betet und uns Ratschläge erteilt, öffnet er uns die Augen über Vieles. Wir sehen nie hell genug über uns selbst, noch über den Herrn. Dankbar sollen wir neue Anleitung und neue Klarheit annehmen. Nicht zu stolz müssen wir sein, selbst von einem weniger Vorgerückten zu lernen. Zuerst hat Saulus von Ananias gelernt, nachher wird Ananias von Saulus gelernt haben. Durch Demut achtet euch unter einander, Einer den Anderen höher, denn sich selbst.

Nachdem Saulus wieder sehend geworden, steht er auf und lässt sich taufen und nahm Speise zu sich und stärkte sich. Saulus aber war etliche Tage bei den Jüngern zu Damaskus. Und alsobald predigte er Christum in den Schulen, dass derselbe Gottes Sohn sei. Wenn, wie bei Saulus, die Arbeit des heiligen Geistes ohne Hindernis vorangeht, so werden wir, was der Herr uns in Finsternis gesagt hat, im Licht reden können, und was wir in das Ohr gehört haben, auf den Dächern predigen können. Des das Herz voll ist, des geht der Mund über. Der Mensch, der den Schatz gefunden hat, wird sein Pfund nicht vergraben; er wird Zeugnis geben, wo er kann; er wird sich des Evangeliums Christi nicht schämen; er wird es im tätigen Leben reden lassen; er wird zeigen, dass die Gottseligkeit zu allen Dingen nütze ist, und die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens hat.

Solcherweise ist die Arbeit der Dreieinigkeit in einer und derselben Person. Wir wollen dieses neu erschlossene Leben nicht verfolgen; wir begnügen uns nur, dessen Entstehen zu zeigen. Die schönste Schöpfung unseres dreimal heiligen Gottes ist eine Bekehrung. Da spiegelt sich das Bild Gottes von Neuem ab; was aber ist schöner als das Bild Gottes? Wir finden die Liebe Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes wieder. Die ganze Dreieinigkeit ist tätig, wenn eine verlorene Seele von Neuem geboren wird. Und nicht mehr handelt es sich um Paulus, sondern von uns. Von dieser Liebe, die uns umarbeiten will, wenn wir ihr folgen und welche in unserer Seele immer tätig ist. Wir sind der Ton, die Dreieinigkeit ist der Töpfer. Wir wollen uns umbilden und uns erneuern lassen im Geist unseres Verständnisses, der Gewinn wird unendlich groß sein; wir werden mit dem neuen Menschen überkleidet werden, nach dem Bilde Gottes in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit. Wir werden nicht das Fest eines Augenblicks, sondern ein ewiges Fest feiern. Es wird bestehen in dem seligen Staunen einer Seele, welche vor Gott des Ruhmes mangelt und sich aus Gnaden selig gemacht, aus Gnaden geheiligt, ewig nach dem Bilde des dreimal heiligen Gottes geschaffen sieht.